Flüchtlinge: alles beim Alten – Greg Palmer,Berlin, September 2016

Flüchtlinge: alles beim Alten

Der Sommer geht seinem Ende zu. Die Scharen von Touristen werden langsam durch Studenten und Berliner ersetzt, die aus ihren Urlauben zurück kehren. Es gibt mir das Gefühl, dass sich die Dinge wie im Kreise drehen – es ist alles genauso, als ich vor einem Jahr am 25.September in dieser Stadt gelandet bin. Es ist immer ein seltsames Gefühl, wenn Sie zum ersten Mal in einer Stadt ankommen. Alles ist neu und unbekannt, die Stadt ist wie eine leere Leinwand, man kann es nicht ganz herausfinden, wo Sie sind und der Ort selbst scheint riesig, weil man ihn nicht kennt. Langsam sind Sie in der Lage, kleine Inseln und die U-Bahn Stationen auf der Karte widerzuerkennen. Diese verbinden sich allmählich miteinander und plötzlich fühlen Sie sich nach ein paar Monaten, manchmal Jahren zu Hause. Manchmal denke ich darüber nach, wie es für Syrer, Libyer und Afghanen ist, die sich Berlin zu ihrer Heimat gemacht haben. Mit einigen von ihnen habe ich regelmäßig Kontakt und treffe sie überall in der Stadt, bei der Arbeit oder in Flüchtlingszentren, wie bereits erwähnt. Jeder, dem ich begegnet bin, sagte zu mir, dass sie gerne nach Hause zurück kehren würden. Nicht wegen einer Abneigung gegenüber der Stadt, sondern weil das Zuhause immer ein Zuhause bleibt. Auch wenn sie definitiv genug Zeit hier verbracht haben, um wie Berliner zu sprechen: “Ich kann es kaum glauben, dass die Ringbahn jemals wieder aufgebaut wird!” Obwohl dieses Thema sie auch viel weniger kümmert als meine Berliner Freunde.

hay-bales

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Berlin hat eine lange Geschichte, was die Aufnahme von Flüchtlingen angeht. Im Jahr 1737 erlaubte der König von Preußen, dass sich 350 Mährische in einem Dorf namens Rixdorf ansässig machen, nachdem sie aus Böhmen vertrieben wurden. Dieses Dorf befindet sich jetzt in der Mitte des Viertels Neukölln und veranstaltet jedes Jahr ein Festival, um an diesen Akt anzudenken. Häufig war ich am Richardplatz (am ehemaligen Dorfplatz). Dieser Stadtteil wirkt umso verlockender, als der zwischen zwei Stadtteilen liegt, die für ihr Nachtleben bekannt sind. Der Platz sieht immer noch wie ein alter Dorfplatz aus, mit seinen alten Gebäuden, Bäumen und seinen Hufschmieden. Am Tag des Festivals waren dort Stände aufgebaut, die Tschechisches Bier und Imbiss für jeden Geschmack verkaufen, sowie ein Sitzbereich mit einer Bühne zu seinen Seiten installiert. Mit wurde erzählt, dass das Festival auf einem Heuballenrennen basiert ist. Ich wusste zunächst nicht, was zu erwarten ist, nachher wurde es mir allerdings klar, als ich beim Eintritt zwei Kinder gesehen habe, die auf zwei großen zylindrischen Heuballen balancierten. Zusammen mit meinen Freunden machte ich mich gemütlich mit einem Bier in der Hand und schaute dem seltsamen aber spannenden Rennen auf den beiden Heuballen um den Platz herum zu. Ich war beeindruckt, wie schnell sich ein Ballen auf einer flachen gepflasterten Straße bewegen kann – es gab auch ein Paar Abstürze, die sicherlich der Formel 1 würdig waren.

Nach dem Rennen trat eine brillante Band namens Ska aus der Tschechischen Republik auf und spielte bis tief in die Nacht. Während unsere Wanderung am Festival stießen wir auf eine Reklametafel, die Bilder von den Mährischen Nachfahren gemischt mit Flüchtlingen von heute zeigte. Es war ein sehr schönes Zeichen, das sich durch den ganzen Tag durchdrang, wo Tschechen und Deutsche zusammen plauderten und Lebensmittel aus der ganzen Welt genossen.   Es ist eine einfache Botschaft: Wir sind alle nur Menschen. Und angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen, mit dem Aufstieg von Parteien wie AFD, ist es auch eine Botschaft, die wichtiger ist als zuvor.

 

ENGLISH

Refugees: Old and New

The summer is starting to wind down. The flocks of tourists are starting to be replaced by students and Berliners returning from their summer holidays. It gives me a feeling of things coming full circle, as I first landed in the city on the 25th September last year. It’s always a strange feeling when you first arrive in a city. Everything is new and unknown, the city is like a blank canvas, you cannot quite figure out where you are and the place seems vast because you don’t recognise it. Slowly, you get your bearings, little islands of map appear on the canvas around your usual Ubahn stops and local haunts. These then start to join up and suddenly, after a few months, sometimes years, it begins to feel like home. I sometimes think what it must be like for the Syrians, Libyans and Afghans that have made Berlin their home. I have had regular contact with some of them, whether it be in work or at the refugee centres dotted around the city (as I have mentioned before). Every one that I have met has been decent and at pains to tell me that they want to go home. Not out of any dislike for the city, just that home is, after all, home. Still they have been here long enough to speak like a Berliner from time to time, one of the themes being: “I can’t believe the Ringbahn is down again, how are we supposed to get about”. Though this definitely fazes them less than some of my Berliner friends.

Berlin has a history with taking in refugees. In 1737 the king of Prussia allowed 350 Moravians to settle in a village called Rixdorf, after being expelled from Bohemia. This village, to some extent, still exists in the midst of the Neukölln quarter and every year they hold a festival to celebrate this act. I’ve been to Richardplatz (the old village square) often. It is a quite part of town, made even more aluring by the fact that it is between two parts of the city know for their nightlife. The square still looks like a village square, with old buildings, trees and a blacksmiths to boot. On the day of the festival the square was lined with booths selling Czech beers, food stalls for every taste, a large tresseled seating area, and a big stage on on of its sides. I had been told that the festival was based on a hay bale race. I did’nt know what to expect, but sure enough, as I walked into the square I saw kids trying to balance on two large cilindrical bales. After meeting up with my friends we settled in with some beers and watched the teams in bizzare fancy dress race these two bales around the square. I was impressed at how fast a bale could move on a flat, cobbled street, and there were a few crashes worthy of Formula 1. After the races there was a brilliant Ska band from the Czech republic that played deep into the night. During our wandering around the festival we came across a bilboard that showed pictures of the descendents of the Moravians mixed with more modern arrivals. It was a nice message that permeated the entire day, where Czech and German were spoken together and food from all over the world was eaten. It’a a simple message: we are all just people. And in light of current political developments, with the rise of parties like AfD, it is a message that is more important than ever.

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